Drei Gründe, warum du deinen Roman noch nicht zu Ende geschrieben hast

Es gibt wenig, was so frustrierend ist, wie mit dem eigenen Roman einfach nicht weiter zu kommen. Der Kopf packt gleich die unschönsten Labels aus: zu faul, zu unkreativ, zu untalentiert, zu disziplinlos, zu … Darum schauen wir heute uns heute an, woran es in den allermeisten Fällen wirklich liegt.

Inhaltsverzeichnis

Die Ausgangslage

Du hattest eine Idee für einen Roman und bist voller Elan gestartet. Die Figuren und die Welt in deinem Kopf haben dich so sehr begeistert, dass du ein neues Dokument angelegt und losgeschrieben hast.

Vielleicht gibt es erst 10, vielleicht schon 100 Seiten, aber irgendwann kam der Punkt, an dem nichts mehr ging.

Neue Ideen sind auf einmal spannender, als die an der du arbeitest. Du willst lieber Staubsaugen, als dich an die Tastatur zu setzen. Und wenn du dich doch einmal hinsetzt, bist du so uninspiriert, dass du den Laptop nach 30 Minuten genervt wieder zuklappst. 

Hier sind drei Gründe, an denen es liegen kann:

1. Das Handwerk

Manchmal liegt es an handwerklichen Gründen, dass du nicht voran kommst. 

Diese unterteilen sich in die Bereiche Schreibtyp und Schreibfähigkeiten.

Wenn du gegen deinen Schreibtyp arbeitest, wirst du früher oder später immer an eine Grenze stoßen.

Schreibtypen teilen sich auf in Plotter*innen (Autor*innen, die ihren Roman vorplanen) und Discovery Writer*innen/Intuitiv Schreibende/Pantser*innen (Autor*innen, die ohne Planung drauf los schreiben). 

Natürlich gibt es Abstufungen, aber der Einfachheit halber betrachte ich hier nur die beiden Pole. 

Wenn also eine Plotterin versucht, einfach so loszuschreiben, ohne den Weg definiert zu haben, wird sie schnell an einen Punkt kommen, der sie frustriert. Ebenso, wenn sie merkt, dass ihr Plot nicht trägt.

Wenn eine Discovery Writerin zu viel vorplant, wird sie an den Punkt kommen, wo es für sie nicht mehr interessant ist, sich mit dem Roman auseinanderzusetzen. Ebenso, wenn sie sich in eine Lage gebracht hat, in der sie glaubt, dass jetzt Szene XY folgen müsste, sie dieser Ablauf aber eigentlich nicht interessiert.

Prüfe also zuerst: Arbeite ich meinem Schreibtyp entsprechend?

Für beide Schreibtypen gibt es Fragestellungen, die sie aus der Sackgasse herausholen. Schreib mir für deine persönliche Coachingsession, falls du hier feststeckst. 

Ein anderes Problem können deine Schreibfähigkeiten sein. So absurd es klingt – dieses Problem trifft meist eher auf erfahrene Autor*innen zu. Denn erst mit Erfahrung lässt sich schnell erkennen, dass etwas handwerklich nicht stimmt.

Meistens suchen jedoch auch unerfahrenere Autor*innen hier den Grund für ihre Schreibprokrastination und ziehen erst einmal los, um noch mehr zu lernen.

Nach meiner Erfahrung ist das jedoch in den wenigsten Fällen zielführend und in den meisten Fällen lediglich ein schlaues Ablenkungsmanöver von dem Gefühl, festzustecken.

Wenn du aber weißt, dass du ein konkretes Plotproblem hast oder das Gefühl hast, dich total verrannt zu haben, buch dir ein Check-Up-Lektorat oder eine Coaching-Session. Meist lässt sich dort schnell Licht ins Dunkel bringen. 

1.1 Fallhöhe, Antrieb, auslösendes Moment, Interesse

Ein Fehler, der vielen Autor*innen, ob erfahren oder nicht, Probleme bereitet, ist das Fehlen von entweder Fallhöhe, Antrieb der Hauptfigur oder des auslösenden Moments.

Wenn du also ziemlich am Anfang des Romans feststeckst, prüfe folgendes:

  1. Gibt es in dem Genre in dem ich schreibe typischer Weise Fallhöhe, Antrieb und auslösendes Moment? (In 90% der Fälle ist die Antwort Ja)
  2. Ist meine Fallhöhe hoch genug? Also, hat mein*e Protagonist*in wirklich etwas zu verlieren, wenn er*sie sein*ihr Ziel nicht erreicht? Steht etwas auf dem Spiel? 
  3. Direkt verbunden mit der Fallhöhe: Gibt es etwas, dass den*die Protagonist*in antreibt, zu handeln? Ist dieser Grund stark genug? 
  4. Gibt es ein auslösendes Moment? Also etwas, das passiert, das die Handlung in Gang setzt? Und kommt dieser Moment früh genug im Roman?
  5. Interessiert mich überhaupt, was ich da gerade schreibe?


Sehr oft liegt in den Antworten zu diesen Fragen der Grund für die Prokrastination verborgen – sofern es wirklich um handwerkliche Themen geht.

2. Du bist getriggert

Ein häufiger Grund für Schreibprokrastination ist, dass viele Autor*innen nicht als freie erwachsene Personen am Schreibtisch sitzen, sondern als ihr getriggertes Ich, was im allermeisten Fall heißt, dass sie ein Muster abspielen, dass in der Kindheit/Jugend entstanden ist.

Du hast Angst, dass das, was du da schreibst keiner lesen will. Du bist in einem getriggerten Zustand.

Du hast Angst, dass du irgendetwas falsch machst? Du bist in einem getriggerten Zustand.

Du glaubst, erst noch xy lernen zu müssen, bevor du Schreiben darfst? Du bist in einem getriggerten Zustand.

Du glaubst, dass du sowieso viel zu schlecht schreibst? Du bist in einem getriggerten Zustand.

In diesem Zustand passieren zwei Dinge: 

  1. Du bist gar nicht wirklich hier und kannst eine Situation nicht mehr sachlich einschätzen. Es gibt keine Fakten, nur noch Gefühle. Du bist irgendwo in deiner Vergangenheit unterwegs, ohne es zu wissen.
  2. Der getriggerte Zustand ist das Notfall-Programm deines Körpers. Und das zieht jede Menge Energie. Und Spaß an der Kreativität sieht es nicht vor. Es geht um dein Überleben. 


Wenn du also Angst hast, dass du irgendetwas falsch machst, dann spult dein Körper gerade ein Schutzprogramm ab, das er sich irgendwann einmal zurecht gelegt hat. 

Dazu gehören vielleicht folgende Gedanken und die entsprechenden Handlungen: Bloß nicht negativ auffallen, denn das hat unschöne Konsequenzen. Bloß nicht um Hilfe bitte, das zeigt, dass ich schwach bin. Bloß nicht etwas tun, das falsch sein könnte, denn dann bin ich falsch. Bloß keine Fehler machen, sonst schimpft mich wer.

Handlungen können sein: Nichts tun, dann passieren auch keine Fehler. Nicht über das reden, was du tust, denn wenn niemand es weiß, kann niemand sehen, dass du Fehler machst. Keine Hilfe holen, sonst würde ja wer merken, dass du nicht perfekt bist. Dich vor anderen direkt klein machen („Ich schreib nur so nebenbei ein bisschen. Ist nichts besonderes.“), denn wenn du selbst schon sagst, dass du schlecht bist, denken die anderen nicht „wie überheblich sie ist und dabei schreibt sie so schlecht“ etc.

Vielleicht erkennst du dich wieder.

Vieles davon läuft unterbewusst ab und ist damit keine bewusste Entscheidung mehr, weil dieses Programm so bekannt und oft gespielt ist, dass es dir nicht mehr auffällt. 

Aber nachdem du all das gelesen hast, sag mir, hättest du da noch Lust, dich an den Schreibtisch zu setzen? Eben …

Wenn du dich hier erkannt hast, komm in ein Coaching. Daran kann man arbeiten und das wird nicht nur dein Schreiben, sondern dein ganzes Leben verändern.

P.S. Der nicht getriggerte Gedankengang ist geprägt von Neutralität und liebevoller Neugier für dich selbst.

Er geht in etwas so: Oh, ich habe heute keine Lust an den Schreibtisch zu gehen. Was könnte der Grund sein? Ach so, ich glaube, es gibt hier etwas richtig zu machen. Interessant. Glaube ich wirklich, ich mache hier einen großen Fehler?

Ja? Okay, wen kann ich fragen, der Ahnung hat und mir weiterhilft.

Nein? Ach so, das zu denken ist nur ein Schutzmuster, das ich mal gelernt hab.

Ich probiere mal drei oder vier Varianten der Szene aus und schaue, ob das dann besser klingt.

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3. Die Umstände stimmen nicht

Es klingt banal, aber hast du schon einmal darauf geachtet WANN und WIE du kreativ bist?

Hier sind ein paar Gedanken, die du ausprobieren kannst:

  • Je weniger ich am Schreibtisch sitze und je mehr ich erlebe, desto kreativer bin ich.
  • Je mehr Filme ich sehe, Bücher ich lese, Reportagen ich sehe, Spiele ich spiele, desto kreativer bin ich.
  • Je weniger ich lese, desto kreativer bin ich.
  • Zum Schreiben brauche ich sanftes Licht und Hintergrundmusik.
  • Zum Schreiben brauche ich immer eine Wärmflasche.
  • Es hilft mir, dort zu schreiben, wo Menschen sind.
  • Es hilft mir, dann zu schreiben, wenn alle anderen schlafen.
  • Es hilft mir, echte Abgabetermine zu haben.


Viele Autor*innen werden z.B. erst dann unglaublich kreativ, wenn das Lektorat kurz bevorsteht und sie immensen Zeitdruck haben. 

Andere können nur in Cafés schreiben. 

Wieder andere machen eine Recherchereise an den Ort, wo ihr Roman spielt.

Was ist es bei dir?

Ich möchte dich einladen, einmal ehrlich hinzuschauen und sämtliche Verurteilungen und „man muss aber“ oder „man sollte doch“ wegzulassen. Die beste Schreibroutine bringt nichts außer Frust, wenn sie nicht zu dir passt. 

Für Discovery Writer*innen können Routinen übrigens der direkte Weg in die Schreibblockade sein. Ob das auch für dich gilt, musst du selbst herausfinden. 

Es gilt: Die Verantwortung liegt bei dir. Und: Know yourself.

Zusammenfassung

Der Grund für deine Schreibprokrastination kann also sein:

  • Du arbeitest gegen deinen Schreibtyp.
  • Du hast ein handwerkliches Thema.
  • Du bist getriggert.
  • Du hast noch nicht für die korrekten Umstände gesorgt.


Wenn du meine Hilfe bei diesen Themen möchtest, buch dir ein Check-Up oder eine Coaching-Session. Nichts ist unlösbar.

And until we meet again – Keep Writing!

Über mich

Schreiben lernst du nur durchs Schreiben.

Kennst du dieses Gefühl, wenn alles auf einmal perfekt zusammenkommt und dein Manuskript plötzlich strahlt?

Ich bin Tanja und als Lektorin, Schreibdozentin und Coachin bringe ich dich und deinen Roman genau an diesen Punkt, wo dein Text geradezu magisch wird.

Und weil Schreiben eine perfekte Mischung aus Magie und Handwerk ist, liest du in meinem Blog alles über das Schreibhandwerk, Fantasy-Bücher, die Magie des Schreibens und alles, was du zum Lektorat wissen musst.

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